Ein neues Zuhause für Spielekultur

Als ich 2013 vor der Wahl stand, mein Archäologie-Studium fortzusetzen oder als Redakteur in den Spielejournalismus einzusteigen, fiel mir die Entscheidung sehr schwer. Spielejournalismus, das verband ich seit meiner Kindheit mit gewichtigen Wertungskästen, in denen bemüht freundlich grinsende Männergesichter ein Verdikt über dieses und jenes Spieleprodukt aussprachen und mit einer sorgsam berechneten Schulnote unterschrieben.

Es erschien mir unmöglich, mich in diese Tradition einzureihen, die so wenig mit der Art und Weise zu tun hatte, wie ich selbst Videospiele erlebte — nämlich als fantasievolle, bunte, seltsame Orte, die Menschen zusammenbringen und dazu einladen, eigene Geschichten, eigene Abenteuer zu erleben. Sicherlich nichts, was man benoten könnte.

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Hinter OK COOL steckt der freie Journalist Dom Schott. Und hinter Dom liegt Emil, einer von zwei sehr gemütlichen Katern.

Heute weiß ich, dass es in Wahrheit nie wirklich notwendig war, sich ausgerechnet in dieser traditionellen Ecke des Spielejournalismus einen Platz zu suchen. Denn die Berichterstattung über Spiele, das bemerkte ich direkt an meinem ersten Arbeitstag als Redakteur, kann und darf und sollte noch so viel mehr sein, als nur ein Qualitätstest.

Ich stürzte mich auf die Alternativen: Reportagen über spannende Online-Communities, Interviews mit bemerkenswerten EntwicklerInnen, Einblicke in unterrepräsentierte Szenen und Subkulturen — all diese Themen wurden allmählich zum Kern meiner Arbeit, der mich am meisten erfüllte.

Und doch blieben über die Jahre viele Geschichten unerzählt. Mal fehlte es Brisanz, mal an dramatischen Aufdeckungen, mal gab es überhaupt keine Begründung für die Ablehnung einer Veröffentlichung. Der werbefinanzierte Online-Journalismus ist wählerisch, hat Interesse der Zielgruppe, Klicks und Verweildauer im Auge, muss er auch. Schön ist das trotzdem nicht. 

Absage um Absage wuchs in mir allmählich ein bitteres Gefühl irgendwo zwischen Frustration, Enttäuschung und Ärger heran, denn in diesem Klima würde ein erheblicher Teil der Spielkultur zwangsläufig immer unerkannt, ungehört und ungesehen bleiben. Diese Einsicht war schließlich der Grundstein für OK COOL.


OK COOL ist unabhängiger Spielejournalismus, der sich vor allem um Menschen, nicht um Spiele dreht. Hier sollen all die Gespräche, Reportagen und Geschichten erzählt werden, die im werbefinanzierten Online-Journalismus keinen Platz finden, aber trotzdem einen wesentlichen Teil unseres Hobbies ausmachen.

Damit das funktionieren und ich die Zeit finden kann, für OK COOL regelmäßig neue Artikel zu recherchieren und zu schreiben, könnt ihr dieses Magazin unterstützen. Auf Steady habt ihr die Möglichkeit, einen Beitrag eurer Wahl beizusteuern und damit sicherzustellen, dass auch es auch in Zukunft einen Platz geben wird, wo Spielejournalismus Geschichte(n) schreiben darf.

Ich freue mich auf das, was vor uns liegt – und dass die Berichterstattung über Spiele in Deutschland ab heute um eine wertvolle Facette reicher geworden ist. Denn es gibt noch viel zu erzählen.