Der barmherzige Samariter von „No Man’s Sky“

„Long_Nose_Jim“ begleitet No Man’s Sky seit den allerersten Stunden. Als die Spielewelt das ambitionierte Weltraumabenteuer im Sommer 2016 als enttäuschendstes Erlebnis der letzten Jahre beschrieb, erkundete „Long_Nose_Jim“ schon sein erstes Universum.

Als das Entwicklerteam von Hello Games in den Monaten darauf mit großen Inhaltsupdates um die Gunst neuer SpielerInnen buhlte, baute „Long_Nose_Jim“ bereits seinen zweiten planetaren Stützpunkt.

Und als No Man’s Sky nun vor einigen Wochen mit dem Update NEXT dutzende neue Features vorstellte und zum Comeback-Erfolg wurde, verließ „Long_Nose_Jim“ gutgelaunt seinen Heimatplaneten, um die Neuankömmlinge mit einer ganz besonderen Überraschung zu begrüßen: einem riesigen Frachter voller Stasis Devices, den wohl wertvollsten Gegenständen des gesamten Spiels.

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Klein, aber wertvoll: So sehen die unscheinbaren Stasis Devices aus. (Bild: Hello Games)

„So ein Stasis Device ist im Spiel zu nichts gut, außer zu einem hohen Preis verkauft zu werden“, erklärt „Long_Nose_Jim“ im Interview mit OK COOL. „Derzeit ist eines dieser Stasis Devices 15.6 Millionen Geldeinheiten wert — ein kleines Vermögen.“

Der hohe Verkaufspreis erklärt sich durch die umständliche Prozedur, die die Anfertigung eines einzigen Stasis Devices verlangt: „Diese Dinger gehören zu den kompliziertesten Gegenständen, die Spieler selbst zusammenbasteln können. Man muss fast alle Blaupausen und Rezepturen im Spiel gefunden haben, um die benötigten Einzelteile und Ressourcen für den Bau eines Stasis Device zusammenzubringen.“

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Die Basis von „Long_Nose_Jim“ ist gleichzeitig Produktionszentrum und Erstwohnsitz.

Für „Long_Nose_Jim“, der eigentlich  Ryan heißt und als ausgebildeter Masseur in Alberta (Kanada) arbeitet, ist die Herstellung dieser Gegenstände allerdings keine große logistische Herausforderung mehr: Mit weit über 400 Spielstunden auf dem Buckel hat der 26-Jährige längst alle Meilensteine des Spiels erreicht und in seiner riesigen Heimatbasis ganze Lagerhallen erreichtet, die mit den wertvollsten Ressourcen des Universums gefüllt sind.

Nur der Herstellungsprozess selbst, der stundenlang die immer gleichen Mausbewegungen erfordert, um die einzelnen Ressourcen ins Inventar zu laden, zu kombinieren oder mit Maschinerie zu raffinieren, kostet Ryan viel Zeit: insgesamt rund zwei Wochen, bis der Frachte gefüllt war.

Diesen Zeitaufwand aber investierte er gerne, wie er im Interview mit OK COOL erklärt: „Vermeintlich langweilige, eintönige Arbeiten machen mir Spaß und entspannen mich sehr. Und statt auf meinen Ressourcen herumzusitzen, baue ich lieber Stasis Devices und verschenke sie an andere SpielerInnen, die das Geld dringender benötigen als ich.

Da draußen gibt es so viele Leute, die sich gerne dieses neue Raumschiff oder jenen tollen Frachter kaufen würde, aber weder Zeit noch Geduld für die Geldbeschaffung haben. Denen helfe ich gerne aus.“


Auf seiner Geschenketour durch das Universum sprach Ryan in den vergangenen Tagen jeden Reisenden an und bot seine Stasis Devices jedem an, der sie annehmen wollte.

Dabei erlebte er auch ein kleines Abenteuer, das ihm im Gedächtnis blieb: „Ein Spieler war gerade damit beschäftigt, einen Frachter vor einem Piratenangriff zu verteidigen, als ich dazukam und ihm bei dem verzweifelten Abwehrkampf half. Nach der gewonnen Schlacht schenkte ich dem Typen so viele Stasis Devices, dass er nicht nur genug Geld für die Reparaturen seines Schiffes hatte, sondern sich auch direkt den umkämpften Frachter kaufen konnte. Das war für mich ein wunderschönes Erlebnis.“

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Eine von Ryans Fabriken, in denen er die benötigten Rohstoffe für die Herstellung der Stasis Devices anreichert.

Mittlerweile hat Ryan alle Stasis Devices verteilt. Rund 80 SpielerInnen konnte er so eine Freude machen, viele weitere hoffen noch immer auf ein Geschenk: Nachdem Ryan auf Reddit von seinem Unterfangen berichtete, trudelten über 300 Freundesanfragen auf Steam bei ihm ein.

Die Hilferufe nach finanzieller Unterstützung sind derart zahlreich, dass Ryan nicht ausschließen will, bald wieder eine Geschenketour durch das Universum zu unternehmen: „Ich habe im NMS-Subreddit viele SpielerInnen wiedergefunden, die ich ingame beschenkt habe. Die haben sich so sehr gefreut und ganz aufgeregt von ihrer Begegnung mit mir erzählt, dass ich mir fest vorgenommen habe, so vielen Menschen wie möglich ein kleines Geschenk zu machen.“

 

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